Ein Museum für Die Schlumper
Nils 9. Januar 2009

Es gibt viele Künstler in Hamburg — keine Frage. Manche sind aber so außergewöhnlich, dass man doch mal einen genaueren Blick drauf werfen muss. Schon mal etwas von Art Brut gehört? Vermutlich nicht, dabei ist das eine Form der Kunst, die schon lange praktiziert wird und mittlerweile auch in der internationalen Kunstszene Beachtung findet. Hamburg hat eine wichtige, eine große Art Brut-Werkstatt. Hier arbeiten Menschen mit (meist) psychischer Erkrankung. Die Künstler haben sich “die Kunst” oft autodidaktisch beigebracht. Heraus kommt eine andere Kunst, als wir sie aus den Galerien und Museen kennen.
Museen ist das Stichwort: Wie bereits erwähnt, hat Hamburg eine große Art Brut-Werkstatt und das schon seit über 20 Jahren. Die Künstler-Gruppe nennt sich “Die Schlumper”, da das erste Atelier in der Straße “Beim Schlump” war. Seit 1993 gibt es das in Deutschland einzigartige Programm “Schlumper von Beruf”. Die 22 Künstler, die teilweise jede freie Minute im Atelier verbringen und z.B. malen, zeichnen oder bildhauen, bekommen für ihre Arbeit monatlich ein Gehalt. Ein, so finde ich, wichtiger Aspekt, der den Kunstschaffenden das Gefühl gibt, dass sie nicht einfach nur “Gestaltherapie” machen. Ihre Arbeit ist echte Arbeit, für die sie einen Lohn bekommen. Ihre Kunstwerke werden verkauft, wovon u.a. ihr Gehalt bezahlt wird. Ganz wie bei den “normalen Künstlern”, also ein Stück Normalität.
Zurück zum Museum. Die Schlumper sind enorm produktiv, nicht jedes Kunststück wird verkauft. Deshalb ist ein Museum in Planung. Über 5.000 Kunstwerke warten darauf, einer breiten Öffentlichkeit gezeigt zu werden. Als Standort ist Hamburgs ältestes Schulgebäude in die engere Wahl gekommen. In der Thedestraße 101 soll dieses einmalige Museum entstehen.
Derzeit gehört das Gebäude einer Investmentgruppe. Das Gebäude aus dem Jahr 1886 muss angekauft und saniert werden. Dann kann der Ausbau zum Museum stattfinden. Die Kosten belaufen sich auf 2,3 Millionen Euro, die Die Schlumper selber aufbringen müssen. Derzeit gibt es keine Unterstützung durch Mäzenen oder die Stadt Hamburg. Was sehr schade ist, immerhin bekäme die Stadt ein einzigartiges Museum! Vielleicht finden sich ja doch noch spendenfreudige Hamburger? So eine Chance dürften sich die Hamburger eigentlich nicht durch die Lappen gehen lassen.
Für weitere Informationen zum geplanten Museum, den Künstlern und dem Spendenkonto, schauen Sie einfach auf die Seite der Schlumper. Einen interessanten Bericht über die Künstlergruppe findet man beim Stern oder auch beim Spiegel. Hier gibt es außerdem ein Video zu der Gruppe zu sehen.






