Archiv für das Tag 'handelskammer'

Willkommen in …

Nils 23. Februar 2009

Eingang zum Welcome Center in HamburgDie Wettervorhersage hatte wieder einmal gelogen. Regen sollte kommen, stattdessen schien die Sonne — hinter den Wolken. Nur von Zeit zu Zeit brachen einige Sonnenstrahlen durch. Das reicht einem Hamburger Jung, also los und nach der Arbeit ein wenig in Hamburgs Innenstadt umhergeirrt.

Der Weg war schon ziemlich genau gewählt. So näherte ich mich dem Rathausmarkt über die Straße Alter Wall. Das wäre dann — für alle Stadtplan-Verweigerer — die Nord-Westseite des Rathauses, nicht hin zur Mönckebergstraße, sondern hin zur Alster.

Da fiel mein Blick auf einen Eingang. Man kann sehr wohl sehen, dass da ein gläsernes Schild an der Eingangssäule hängt. Aber was darauf zu lesen ist — ist kaum zu lesen. Man muss mit dem Kopf mächtig hin- und herwackeln, oder um das Schild herumgehen, sodass man einen dunklen Hintergrund hat. Erst dann kann man lesen, was auf dem Schild steht: Welcome Center. Der dunkle Hintergrund selber ist dann übrigens der Eingang in besagtes Willkommenszentrum.

Das Schild ist echt schlecht zu lesen. Wenn ich ein Willkommensschild anbringe, dann platziere ich es so, dass man es auch lesen kann. Die Platzierung ist schon in Ordnung, aber das hippe Glasschild mit weißer Schrift einfach nur schlecht zu lesen. Böse Geister denken nun wahrscheinlich wieder, das ist extra so gemacht. So kann man sich später hinstellen und sagen, man habe zwar so ein Zentrum für aus- und inländische “Zuwanderer”, aber wenn es keiner findet — auch nicht schlimm. Hat man eben seine Ruhe.

Mit unserem aktuellen Innensenator kann es nichts zu tun haben. Der wurde zwar erst im letzten Jahr von der Initiative “Jugendliche ohne Grenzen” zum “Abschiebeminister 2008” gekürt — das nicht einladende Welcome Center stammt aber noch aus der Zeit vor seinem Amtsantritt.

Was gut angedacht war, hatte übrigens einen schweren Start. Als eines der unzähligen PR-Lächel-Projekte im Jahr 2004 prophezeit, sollte die erste Anlaufstelle für alle Neubürger/innen aus dem In- und Ausland bereits zur WM 2006 fertig sein. Man wollte schließlich glänzen, wenn die Welt zu Gast in Hamburg wäre. 2006 gab es kein Welcome Center in den Räumen der Handelskammer. Der Termin Anfang Februar 2007 wurde ebenfalls nicht eingehalten. Geld floss zwar schon fröhlich in das Projekt, aber da war noch gar kein echtes Projekt.

Als es dann endlich im April 2007 die Tore zum “Tor der Welt” öffnete, bestand immer noch Kritik. Der damalige Wirtschaftssenator Uldall hatte zwar davon geträumt, das Welcome Center solle Hamburg zu einer zuwanderungsfreundlicheren Stadt machen. Dennoch schmeckte es nicht allen. So beschwerte sich “damals” Nebahat Güçlü, migrationspolitische Sprecherin der GAL-Bürgerschaftsfraktion (heute Koalitions- und Abnick-Partner), darüber:

Wer für die Stadt von Nutzen zu sein scheint, genießt in Zukunft eine privilegierte Behandlung im Welcome Center, alle anderen müssen weiterhin in die Ausländerbehörde.

Immerhin war das Welcome Center auch nicht für jeden Zuwanderer aus dem Ausland angedacht. Es sollten schon “nur die Guten” ins Töpfchen namens Welcome Center.

Das neue Informations- und Beratungszentrum soll sich vor allem um Fach- und Führungskräfte, Hochschulabsolventen, Existenzgründer, Unternehmer, Wissenschaftler und Fachkräfte aus dem Ausland kümmern. Ziel der Einrichtung soll sein, “vermehrt qualifizierte Kräfte aus dem Ausland den Einstieg in die neue Umgebung zu erleichtern”, sagte Wirtschaftssenator Gunnar Uldall (CDU).

Da darf Kritik angebracht sein, wenn eine “Weltstadt” wie Hamburg gleich von vornherein eine Zwei-Klassen-Begrüßung plant. Wie es scheint, ist das Hamburger WC Hamburg Welcome Center mittlerweile etwas offener, was die “Zugangsberechtigung” für das Center anbelangt. Auf der Homepage des Centers kann man nachlesen, es stünde jedem Neuzuwanderer offen. Allerdings gibt es einen “Allgemeinen Neubürgerservice” auf der einen Seite und den bereits angesprochenen “Speziellen Behördenservice für qualifizierte Fachkräfte” auf der anderen. Die Fachkräfte mögen bitte einen Termin vereinbaren, heißt es weiter. — Vermutlich finden auch nur die (um zum Anfang zurückzugelangen) den Eingang zum HWC. Vielleicht werden sie am Rathausmarkt durch eine Service-Kraft abgeholt?

Für Gründer deren Tag ihnen

Nils 17. Februar 2009

Hinweisaufkleber in der S-Bahn für den Gründertag 2009 in Hamburg

Also prinzipiell ist es natürlich schon toll, dass ein großes Dorf eine große Stadt wie Hamburg es jedes Jahr schafft, den so genannten Gründertag auszurichten. Auch in diesem Jahr findet die Informationsveranstaltung für alle Gründerinnen und Gründer aus Hamburg statt. Am 28. Februar öffnet sich das Tor für jeden Interessierten in der Handwerkskammer, Holstenwall 12. Handelskammer Hamburg, Handwerkskammer Hamburg, die H.E.I. Hamburger Initiative für Existenzgründungen und Innovationen sowie der Partner HypoVereinsbank Team Concept richten den “Hamburger Gründertag” aus. In fünf Räumen kann man sich von 10 bis 17 Uhr Vorträge von Profis anhören. Da kann man sich Informationen zu Themen wie Franchise-Systemen, Gründungsfinanzierung mit öffentlichen Mitteln, Arbeitsrecht, Steuerrecht o.a. anhören. Fein. Für 15 Euro (ermäßigt 10) ist man dabei.

Mein — kostenloser — Tipp für alle Existenzgründer lautet: Eignet Euch die deutsche Sprache an, in diesem Fall die Grammatik! Das macht einen besseren Eindruck. Die Jungs und Mädels, die den S-Bahn-Aufkleber für den Gründertag entwickelt haben, die sind nämlich nicht der hiesigen Grammatik kund. Mal wieder.

Was prangt da unten links in der Ecke? Man möge eine bestimmte Telefonnummer anrufen, um Info’s zu bekommen? Infos? Hallo? — Mensch, die Werber müssen es trotz Finanzkrise aber dicke haben, dass die so mit dem Apostroph um sich schmeißen … Freund Duden sagt zu dem typischen Werbefuzzi-”Problem” übrigens:

In|fo, die; -, -s (ugs. kurz für Information)

Da gehört kein Apostroph hin! Liebe Gründerinnen und Gründer, wenn Ihr also den Schritt in die Selbstständigkeit wagt und Euer Geschäft in Schwung kommen soll, dann ist Werbung eine gute Methode, um auf sich aufmerksam zu machen. Nehmt aber bloß nicht die Werbeagentur, die die Stadt Hamburg nimmt. Dort wird man nur so mit fehlerhaften Apostrophen bombardiert … Oder sind das gar stadteigene Werbe-Analphabeten?