Archiv für das Tag 'glühwein'

Weihnachtseinkäufe in Hamburg

Nils 21. Dezember 2008

Weihnachtstrubel auf der Mönckebergstraße

Nur noch wenige Tage, bis der Weihnachtsmann seinen dicken Hintern durch den nicht vorhandenen Kamin zwängt. Der Endspurt in Sachen Geschenke kaufen ist schon längst eingeläutet worden. Und auch wenn die Kanzlerin nicht müde wird, uns zu sagen, dass 2009 ein ganz grausames Gürtel-enger-schnallen-Jahr wird (für den Normalbürger) — die Leute kaufen wie blöde. Jedenfalls in Hamburg. Als ob es das letzte Weihnachten auf Erden wäre.

Die Innenstadt war auch am vierten und letzten Adventssonnabend zum Brechen brechend voll. Die Straßenbeleuchtungen leuchteten noch einmal mit ihren Glühbirnen kräftigst, bevor diese verboten werden. Und überall Menschen. Haufen, Berge, Fluten von Menschen, die sich über den Jungfernstieg ergossen oder über die Mönckebergstraße strömten. Mein Pfad führte mich auf dem Weg zum Hauptbahnhof in die Nähe eines großen Elektroladens, vor dessen Tür ich aber flux eine Kehrtwendung machte — schließlich wollte ich den dicken Mann mit den Geschenken noch sehen. Das sollte kein dicker Mann im weißen Kittel werden. Wer da rein ging, spielte mit Selbstmordgedanken.

Jeder Weihnachtsmarkt war voll, wie ein Großteil der Besucher auch schon. Glühweinstände riechen irgendwie schlimmer als die mieseste Spelunke auf dem Kiez …

Paketbus in Hamburg

Nun ist Hamburg eigentlich eine Stadt wie jede andere — auch wenn das die Stadtväter und -muttis so nicht wahrhaben wollen. Also bieten sie den willigen Konsumenten einige Extras mitten im Weihnachtstrubel an. In der bereits erwähnten Mönckebergstraße, der Haupt-Shopping-Meile Hamburgs, stand dann auch wieder der Paketbus. Hier können kaufwütige Konsumjunkies ihre vielen, vielen Geschenke zwischenlagern — und dann gleich weiter einkaufen. Der Bus war voll! So schlecht kann es also nicht gehen.

Polizeiwagen beim Hamburger Hauptbahnhof

Nebenbei wurde auch an einem spannenden Unterhaltungsprogramm gefeilt. Eine sog. “Linke Demo” wurde mitten im Weihnachtsrummel genehmigt. Das bedeutete, dass der weihnachtsgestresste Hamburger nicht nur all über all bunte Lichtlein blitzen sah, sondern auch Blaulicht. Die gesamte Innenstadt war am vierten Adventssonnabend — dezent — im Ausnahmezustand. In jeder Nebenstraße standen hunderte von Polizisten in dicker Montur oder in Einsatzwagen wartend. Wer will da behaupten, der Weihnachtseinkauf sei langweilig? Die Demo war übrigens eine Kundgebung gegen die griechische Polizei und das Krippenspiel wurde später — wie es sich gehört — in der Schanze weitergespielt.

Man sieht also: Weihnachtseinkäufe in Hamburg sind wie in jeder anderen Stadt auch … In diesem Sinne: Frohe Weihnachten!

Kalt und steif

Nils 12. Dezember 2008

Eisbild von Bob.Fornal auf flickr

Um den ewigen Städtekrieg noch einmal anzuschüren: Kommt man in Deutschland herum und gibt das “Geheimnis der Herkunft” preis, dann erntet man oft – nicht immer – eine gerümpfte Nase. Gefolgt von einem Stereotyp. So wie immer behauptet wird, in Hamburg würde es 24/7 regnen – was nicht stimmt –, so hört man auch öfters die Behauptung, Hamburger seien alle steif, kalt, hochnäsig, abweisend. Das ist gaaanz typisch für alle Hamburger. Mit diesen Hanseaten kann man nie warm werden. Mit einer jeckischen Frohnatur aus dem Pott kann man einen Hamburger gar nicht vergleichen. Irgendwann nimmt man als Hamburger selber dieses Bild an.

Beim vorweihnachtlichen Glühweintrinken-und-Arschabfrieren mit den Kollegen kam das Gespräch auch zutage. Der junge, stets freundlich grinsende Kollege kam auf das Thema zu sprechen. Er würde die Hamburger lieben, sagte er. “Bitte?”, fragte ich. Immerhin sei auch mir bewusst, dass uns Hamburger “alle da draußen” immer nur als kalt und unnahbar ansehen würden. Wie kommt der dazu, uns Hamburger zu mögen?

Der Kollege erzählte, dass er in seinen jungen Jahren bereits in vielen Städten gelebt hätte. Zuletzt in München. Und – ganz unter uns – die Hamburger sind ihm bei weitem lieber. Die sind nämlich ehrlicher, wusste der Globetrotter zu erzählen. In München, ja da ist man immer gleich “gut befreundet” und gibt sich hier ein Bussi, dort ein Bussi. Aber sobald man denen den Rücken zukehrt, wird über einen gelästert. Anders in Hamburg!

Freundschaften in Hamburg werden erarbeitet. Der Hamburger ist wohl so manches Mal kühl und reserviert, man kann es auch vorsichtig nennen. Erst nach einigem Geschnüffel und Abgetaste, entscheidet der Hamburger, ob ihm sein Gegenüber gefällt. Interessante Ansicht, die der Ex-Münchner da hat. In Hamburg muss man sich seine Freundschaft erarbeiten — dann ist sie aber auch ehrlich und dick.

So (dicke) hatte ich das bisher noch nicht gesehen. Deshalb freute mich auch diese durchaus positive Meinung über uns Hamburger sehr. “Du bist Hamburger? So ein echter?”, wurde ich mit großen Augen gefragt? “In Fleisch und Blut.” “Toll!”

Selten war ich so stolz, ein Hamburger zu sein. Wir sind nämlich nicht so steif und kalt, wie immer behauptet.

Foto: Bob.Fornal