Olli Schulz - Es brennt so schön
Nils 13. März 2009
Bewertung: von 5
Da ist sie nun, Olli Schulz‘ vierte Platte Es brennt so schön. Elf (eigentlich zwölf) Lieder aus Hamburg. Die neuen Stücke sind etwas rockiger als das Liedgut auf den Vorgängern. Mir soll’s recht sein. Es brennt so schön ist — Achtung, das klingt jetzt kitschig — so bunt wie das Leben selbst. Kritische Lieder, Lustiges, Albernes und ernste Stücke – alle finden sich auf der Scheibe.
Im Schnelldurchlauf fällt auf, dass viel Schrammel-Gitarre und viel Klavier zu hören sind. Beim ersten Stück, Ab jetzt tut’s mir nur noch weh, haben wir eine dominante Klavierstimme. Schulz steigt mit einem kritischen Stück ein, springt in So lange einsam zu einem Kopf-Nicker-Sound über, wobei der Text im Grunde einen ernsten Ton hat. Trotzdem geht es gleich ins Ohr. Im folgenden Geheimdienst bietet der Hamburger (den ich übrigens einmal beinahe übern Haufen gefahren habe) seinen Fans eine lustige Geschichte. Also schon in den ersten drei Liedern ein guter Mix.
All you can eat erinnert mich ein wenig an die Hamburger Kollegen von Kettcar, wenn auch nicht so düster (Schulz ist offenbar mit Grand Hotel van Cleef-Mitbesitzer und Kettcar-Frontman Marcus Wiebusch befreundet). Was mich anfangs ein wenig irritiert hat, ist die Musik zu Wie sie. Ich muss dabei an einen miesen Italo-Western denken. Der Text hat hingegen überhaupt nichts mit Cowboys und Indianern zu tun.

Wenn ich ganz ehrlich sein soll, ist das siebte Lied, Mach den Bibo, das schwächste Stück auf der CD. Komischerweise ist genau das Lied die erste Single, die in die deutschen Charts Einzug gehalten hat. Kein Lied von Olli Schulz schaffte das zuvor. Und dann mit so einem “seltsamen” Lied … Ein weiterer Negativpunkt ist das letzte Stück. Besser sollte man sagen, dass es zwei Lieder sind. Nichts gegen die Einzelstücke. Wenn die Sonne wieder scheint ist ein herrlich lockeres Sommerlied. Selbst Fliegen ist nicht schlecht, wenn auch das krasse Gegenteil von Wenn die Sonne wieder scheint. Was stört: Beide Lieder sind in einem vereint. Also: Knapp 2:20 für das erste Stück, dann ungefähr zehn Minuten Stille, bevor Fliegen anfängt. Ich dachte solche Nervaktionen hätten wir hinter uns?
Spontane Lieblinge aus Es brennt so schön: So lange einsam, das zur Hälfte rein instrumental ist. Herz los!, das kleine Gitarrenstück Bloss Freunde und das traurige Isabell. Gerade das letzte Lied ist eines der Stücke, die ich gerne mag: Die Musik ist fröhlich, gaukelt Heile Welt vor, doch wenn man hinhört, ist sie nicht mehr so heile.
Nils, 13.03.2009
Du bist so lange einsam, bist du lernst allein zu sein.
Und du bleibst so lange einsam, bist du lernst allein zu sein.

