Archiv für das Tag 'altona'

Osterfeuer in Altona

Nils 12. April 2009

Ah, Ostersonntag. Petrus meint es gut, die Sonne lacht, die Vögel zwitschern, die Autos rauschen. Ja, der Frühling ist da. Nur mit dem Frühlingsduft klappt es nicht so ganz. Will man Blüten riechen, muss man an seinen frisch gewaschen Kleidern schnuppern. Ottensen riecht jedenfalls wie eine große Räucherkate. Überall hängt noch der Geruch von verbranntem Holz.

Das muss an Ostern liegen, diesem einst heidnischen Fest.

Ein alter Brauch zu Ostern sind die Osterfeuer. In Hamburg gibt es die besten Feuer — natürlich — unten an der Elbe zu bewundern. Neben den großen, offiziellen Feuerstellen, gibt es noch unzählige kleine Brandstellen zu sehen. Die sind jedoch eher zum Wärmen und zum Braten von Würstchen eingerichtet worden. Dennoch: Wo man auch hinblickt, findet man am Elbstrand Feuer.

Auch in diesem Jahr bot der Strand von Övelgönne bis runter nach Klein Flottbek (und vermutlich noch weiter bis Blankenese) den Schaulustigen ein Lichtermeer. Glücklich, wer das Schauspiel vom Wasser aus hat beobachten können. Am Strand selber stapelten sich erneut die Menschen. Im Video meint noch eine junge Frau, es wären 500 Millionen Menschen, doch da hat die Gute ein wenig übertrieben. Auch wenn es sich so angefühlt hat.

Jung und Alt kamen, um zu sehen, wie die in mühevoller Arbeit aufgeschichteten Holzhaufen abgebrannt, damit der Winter vertrieben und der Frühling willkommen geheißen wurde. Vergessen war das heimliche Abräumen (in Blankenese), bei dem eine errichtete Feuerstelle vom Ordnungsamt in einer “Nacht und Nebelaktion” abtransportiert wurde.

Wie es weiter runter in Richtung Teufelsbrück aussah, kann ich nicht sagen. Wir steckten in der besagten “500 Millionen Menschen”-Traube fest. Allerdings erinnere ich mich an einen Ostersonnabend vor einigen Jahren. Damals bin ich mit dem Fahrrad flußabwärts gefahren. Hinter Teufelsbrück gibt es eine sehr gut gepflasterte Strecke direkt am Strand. Wie auch in Övelgönne, wurden damals ganz viele kleine, private Feuer angezündet. Die Menschen kamen zusammen, saßen um die Feuerstellen herum, tranken, lachten, aßen. Es waren so viele Feuer, dass meine linke Gesichthälfte ganz warm war, meine rechte, also die dem Strand abgewendete Seite, blieb jedoch kalt.

Menschen waren in diesem Jahr “bei uns” ebenfalls verdammt viele anwesend, Feuer gab es genügend und warm war einem auch. Gute 20 Meter vom Feuer entfernt, kam Hitze an. Die milden Temperaturen waren wohl auch der Grund dafür, dass so unglaublich viele Menschen an die Elbe strömten. — Übrigens schon den ganzen Tag über.

Osterfeuer kann man als Hamburger eigentlich nur am Elbstrand genießen. In Blankenese, wo man auf eine 300-jährige Osterfeuer-Tradition zurückblicken kann, haben sie übrigens richtig große Osterfeuer, wie diese Dokumentation aus dem Jahr 1991 zeigt. So hoch war das Övelgönne-Feuer dann auch nicht. Jedenfalls nicht in diesem Jahr.

In diesem Sinne: Frohe Osterfeiertage! [Direkt-Osterfeuer]

Hamburger Braune Kuchen

Nils 30. Dezember 2008

Hamburger Braune Kuchen vom Keksbäcker

Die Serie “typisch Hamburg” aus dem Sektor “Kulinarisches” wird fortgesetzt. Nachdem wir schon das Franzbrötchen als typische, Hamburger Leckerei identifiziert haben, wollen wir ein weiteres Gebäck namentlich nennen: die Hamburger Braunen Kuchen. Der Name ist Programm! Naja, nicht so wirklich. Der Altonaer Bäcker Kemm kreierte die Braunen Kuchen 1782. Damals war Altona allerdings noch dänisch. Altona wurde erst 1938 durch das Groß-Hamburg-Gesetz eingemeindet, also ein Teil Hamburgs. Durch die damalige unmittelbare Nachbarschaft zu Hamburg, und die jetzige Zugehörigkeit zur Hansestadt, beanspruchen wir die Kuchen einfach einmal für uns. :-)

Doch zurück zum Herrn Kemm, den man eigentlich kennen sollte. Jedenfalls den Namen, prangt er doch auf einer hellblauen Keksverpackung, die man – zugegeben – früher häufiger in den Regalen sah. Die ersten Kekse wurden also 1782 in Altona in Sirup und mit intensivem Gewürz-Aroma gebacken. Bis 1889 wurde das Rezept innerhalb der Familie vererbt. Von 1903 wurden die Braunen Kuchen bis 1994 in Lokstedt hergestellt. Mittlerweile werden sie — traurig — in Krefeld produziert. Was für eine Schande. (Trotzdem Danke für die Weiterführung der Keksproduktion!)

Der Keks wird gerne als weihnachtlicher Keks genannt — wird aber eigentlich das gesamte Jahr über in Hamburger Schleckermäuler gestopft. Die Gewürzmischung, der offensichtlich Nelken und wohl auch Zimt beigefügt wurden, lassen den seit über 225 Jahre bekannten Keks in der Weihnachtsecke verschwinden. Völlig zu Unrecht!

In Hamburg isst man den Braunen Kuchen das ganz Jahr über und zwar pur, mit Butter bestrichen oder auf einem gebutterten Brötchen. Ich bevorzuge die pure Variante; früher jedoch die mit Butter bestrichene. Klingt befremdlich, dass man einen Keks mit Butter beschmiert? Schmeckt aber wahnsinnig lecker! Geht natürlich irgendwann auf die Hüften … ;-)

Kemm'sche Kuchen in der Tüte Wer keine blaue Tüte der Kemm’schen Kuchen im Regal seines Einkaufsladen findet, kann sie sich, wie ich es gemacht habe, z.B. beim Keksbäcker besorgen (s. Bild ganz oben). Oder man backt sich seine Braunen Kuchen selber. Auch wenn es heißt, das Original-Rezept für die Kemm’schen Kuchen sei bekannt, so gibt es doch im Internet verschiedene Variationen. Gemein ist ihnen, den Kuchen vom Keksbäcker und dem Original jedoch u.a. der Gebrauch von Pottasche. Im Original wird Glukosesirup (aus Weizen) benutzt, die frei kursierenden Rezepte benutzen Zuckerrübensirup. Einfach mal ausprobieren. Einfach mal probieren!

Die Braunen Kuchen lassen sich übrigens auch wunderbar zur Verfeinerung von dunklen Soßen zu Wild-Gerichten benutzen. Ein vielseitig zu genießender Keks – aus Hamburg!