Von Lärmschutzfenstern und Bordell-Praktikanten
Tobias Worzyk 8. November 2008
Vor einigen Wochen sind wir (aka meine Freundin und ich) vom beschaulichen Eimsbüttel ins pulsierende St. Pauli gezogen. Und wenn ich St. Pauli sage, meine ich nicht irgendeine Randzone, die eigentlich schon zu Bahrenfeld gehört. Nein, mittenrein ins Vergnügen hat es uns gezogen, genau zwischen Reeperbahn und Landungsbrücken. Dort sonnen wir uns im Bekanntheitsgrad unserer neuen Stamm-Tanke (grade vor ein paar Tagen wieder im Fernsehen gesehen) und dem seltsamerweise nachts komplett erleuteten Astra Tower (der früher mal Astra Turm hieß und der immer noch zu 90 Prozent leer steht).
In unserer gesamten Wohung liegt Sand. Hereingetragen von Schuhen (eigenen und fremden), die vorher, zusammen mit Ihren Trägern, am Strand Pauli Beachclub waren. Die Sand-Nummer kannte ich vorher eigentlich nur aus Ferien-Appartments am Meer. Und so kann man sich entweder darüber aufregen, dass man nun häufiger staubsaugen muss, oder eben freuen, dass man – zumindest was die temporäre Fußbodenbeschaffenheit betrifft – locker mit einer Strandwohnung an der Copa Cabana mithalten kann.
Für mich als notorischen „erst-wenn-der-Kühlschrank-leer-ist-ohne-Plan-Einkäufer“ ist es herrlich, hier Supermärkte zu finden, die sogar Sonntags bis 23 Uhr geöffnet haben. Neulich habe ich allerdings den Fehler gemacht, an einem Samstagabend einkaufen zu gehen. So schleppte ich mich mit zwei schweren Penny-Tüten durch die Touristenmeute und erntete Blicke, die folgende Gedanken dahinter vermuten ließen: „Was macht der Typ denn hier mit den Fressalien auf der Reeperbahn? Ist der etwa Praktikant in nem Bordell und denen ist die Verpflegung ausgegangen?“ (Und dass zufällig eine große Gurke oben aus einer der Tüten schaute, habe ich erst zuhause gehen)
Den Wert von Lärmschutzfenstern habe ich während der WM zu schätzen gelernt. Warum auch immer grölende Fans genau durch unsere Straße laufen mussten (Hallo: Das Public Viewing ist zwei Straßen weiter, ihr Deppen), wenn´s uns zu bunt wurde: Einfach Fenster zugemacht und: Ruhe. Ist natürlich doof, wenn es superheiß ist. Aber irgendwas ist ja immer. Besonders hier auf St. Pauli.
